Chronik der Schotten-Crainfelder Familie Spamer/040

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Chronik der Schotten-Crainfelder Familie Spamer
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zu einem Spinn- und Singverein, an dessen frohes Bestehen Chr. Spamer noch in späterer Zeit sich gerne erinnerte.

Der 6. April 1843 brachte den Eltern ihren zweiten Sohn, der auf der Mutter Wunsch nach ihrem Vater Ludwig Ernst getauft wurde, auch in seinen ersten Lebensjahren eine sichtliche Ähnlichkeit mit seinem Aßlarer Großvater zeigte. Ihm folgten am 7. April 1845 die Schwester Caroline und am 16. September 1847 die Schwester Anna, beide zur Freude der Eltern gesunde Kinder. Eine heitere Episode aus jenen Jahren, in welcher sich zugleich die Beliebtheit der Pfarrin ausdrückt, bildete eine Schlittenfahrt nach Aßlar. Schöne Schneebahn und ein großer, einsitziger Schlitten waren vorhanden, — es fehlte aber am nötigen Pferde im Stalle. Da rief Vogel seine Schulbuben zusammen, spannte sie vor den Schlitten, und in frischem Laufe brachten diese, den Schulvikar zur Seite, ihre Pfarrersfrau nach Aßlar hin. — Am 30. März 1847 hatte Chr. Spamer den Tod seines von ihm hochverehrten Vaters zu beklagen und war es ihm, des vorliegenden Osterfestes wegen — die Beerdigung fand am Charfreitage statt — auch nicht mäglich, denselben auf seinem letzten Wege zu begleiten. — Diesem schmerzlichen Todesfalle sollten leider in den beiden nächsten Jahren zwei fernere folgen: Am 23. April 1848 starb in Hermann­stein, wohin sie zu ihren Kindern verzogen war, die Mutter Chr. Spamer's, und am 12. September 1849 ereilte ihn das Bitterste, was ihn treffen konnte: Bei der Geburt eines toten Knäbchens wurde ihm auch seine liebe, dritte Frau Caroline durch einen Nervenschlag entrissen. — Ich erinnere mich noch jener schrecklichen Nacht. Halb im Schlafe hatte ich während derselben den Vater sich ankleiden und weinen sehen mit der Klage, nun schon zum dritten Male im Verlaufe dreier Jahre solches Leid erleben zu müssen. Am Morgen — wir lagen Alle noch zu Bette — sagte er uns Kindern, es wäre das Schrecklichste geschehen, was wir uns denken könnten. Da rief ich aus: „die Mutter ist gestorben!“ und brach mit meinen jüngeren Geschwistern in lautes Weinen aus. Verstanden wir Kinder auch nur unvollkommen, wieviel wir an unserer vortrefflichen, lieben Mutter verloren hatten, so war der arme Vater um so schwerer getroffen. Zum drittenmale war ihm sein Liebstes auf Erden genommen, das häusliche Glück vernichtet worden. — In schlichten Worten teilte er in der Darmstädter Zeitung die Trauerkunde mit:

„Heute früh um ein Uhr starb während der Entbindung von einem toten Knäbchen am Nervenschlage meine gute Gattin Caroline, geborene Emmelius.

Hermannstein, am 12. September 1849.
Spamer. Pfarrer.“

Meine liebe Mutter, am 31. Mai 1815 geboren, erreichte ein Alter von nur 34 Jahren, 3 Monaten und 12 Tagen. Am 14. September, morgens 10 Uhr, haben wir sie zur letzten Ruhe geleitet. Mit ihr und ihrem kleinen Söhnchen umschloß die gemeinsame Grabstätte nunmehr die Mutter, drei Frauen und drei Kinder des erst 46 Jahre alten Vaters.

Zur Fortführung seines Haushaltes mußte Chr. Spamer nun eine Haushälterin — Fräulein Amalie Fuchs ward hierzu gewählt — annehmen. — Hermann, den er bislang selbst im Latein unterrichtet hatte, brachte er Ostern 1850 zu seiner weiteren Ausbildung nach Gießen, und im Hause von Schwager und Schwägerin Steinberger unter. Karl war schon im Jahre 1846 von dem Wetzlarer auf das Gießener Gymnasium übergegangen. — So blieben die vier jüngsten Kinder noch um ihn, bis er im Herbste 1855 auch seinen Sohn Ludwig nach Gießen, zum Besuche des Gymnasiums, und im Jahre 1856 seine älteste Tochter Minchen — nach deren Konfirmation — in die Pension des Fräuleins Spitz nach Hanau brachte. — Ehe dies letztere geschah, und zwar am 28. November 1855, traf das Herz des Vaters ein neuer Schlag in dem plötzlichen Tode seines ältesten Sohnes Karl, der, nach seinen theologischen Studien, auf dem Gute